Hinterbliebenenabsicherung Freelancer

Risikolebensversicherung für Selbstständige: Schutz bei Schwankungen

16.01.2026

10

Minuten

Katrin Straub

Geschäftsführerin bei nextsure

Ein schwankendes Einkommen gehört für viele Selbstständige zum Alltag, doch beim Familienschutz darf es keine Unsicherheiten geben. Eine Risikolebensversicherung schließt die gefährliche Lücke im staatlichen System und sorgt dafür, dass Ihre Liebsten im Ernstfall finanziell unabhängig bleiben.

Das Thema kurz und kompakt

Selbstständige haben kaum staatlichen Hinterbliebenenschutz und müssen ihre Familie zwingend privat absichern.

Nutzen Sie die Über-Kreuz-Versicherung, um die Auszahlungssumme legal vor der Erbschaftsteuer zu schützen.

Achten Sie auf Nachversicherungsgarantien, um den Schutz bei steigendem Einkommen ohne neue Gesundheitsprüfung anzupassen.


Die staatliche Versorgungslücke: Warum Selbstständige handeln müssen

In Deutschland verlassen sich viele Menschen auf das soziale Sicherungssystem, doch für Selbstständige ist dieses Netz extrem grobmaschig. Wer nicht pflichtversichert in der gesetzlichen Rentenversicherung ist, hat im Todesfall keinen Anspruch auf die sogenannte Große Witwenrente oder die Waisenrente. Laut dem Rentenversicherungsbericht 2025 liegt die durchschnittliche Witwenrente in Deutschland bei einem Bruchteil dessen, was für die Aufrechterhaltung des Lebensstandards notwendig wäre. Für Familien von Selbstständigen entfällt dieser Betrag oft komplett.

Das Risiko ist für Unternehmer doppelt gewichtet. Neben den privaten Lebenshaltungskosten wie Miete, Lebensmitteln und Versicherungen stehen oft noch geschäftliche Verpflichtungen im Raum. Kredite für Betriebsausstattungen, laufende Leasingverträge oder die Gehälter von Angestellten müssen weiter bedient werden, bis der Betrieb abgewickelt oder verkauft ist. Ohne eine liquide Kapitalspritze aus einer Risikolebensversicherung droht hier schnell die Privatinsolvenz der Hinterbliebenen.

Oft fehlt zudem die Absicherung durch den Arbeitgeber. Während Konzerne oft betriebliche Hinterbliebenenleistungen anbieten, müssen Sie als Freelancer oder Inhaber selbst aktiv werden. Eine Risikolebensversicherung ist hier die effizienteste Lösung: Sie bietet für einen vergleichsweise geringen monatlichen Beitrag eine sehr hohe Versicherungssumme. So stellen Sie sicher, dass Ihre Familie im Ernstfall nicht nur die Beerdigungskosten decken kann, sondern über Jahre hinweg finanziell abgesichert ist.

Die optimale Versicherungssumme bei schwankenden Umsätzen berechnen

Die passende Versicherungssumme zu finden, fällt vielen Selbstständigen schwer. Wenn das Einkommen im einen Jahr bei 100.000 Euro liegt und im nächsten bei 40.000 Euro, woran orientiert man sich? Eine bewährte Faustformel besagt, dass die Versicherungssumme das Drei- bis Fünffache des Bruttojahreseinkommens betragen sollte. Zusätzlich müssen alle bestehenden Schulden, insbesondere Immobilienkredite, eins zu eins auf die Summe aufgeschlagen werden.

Um Schwankungen abzufedern, empfiehlt es sich, den Durchschnitt der letzten drei Jahre als Basis zu nehmen. Planen Sie lieber etwas großzügiger. Da die Beiträge für eine Risikolebensversicherung bei jungen, gesunden Menschen oft sehr niedrig sind, macht ein Puffer von 50.000 oder 100.000 Euro monatlich oft nur wenige Euro Unterschied aus. Versichern Sie lieber eine höhere Summe, um eine Unterdeckung zu vermeiden.

  • Immobilienfinanzierung: Die Restschuld sollte immer komplett abgedeckt sein.

  • Kinderabsicherung: Kalkulieren Sie pro Kind etwa 500 bis 800 Euro monatlich bis zum Ende der Ausbildung ein.

  • Geschäftliche Verbindlichkeiten: Berücksichtigen Sie laufende Kredite oder Bürgschaften, für die Sie privat haften.

Ein konkretes Szenario verdeutlicht die Notwendigkeit: Ein freiberuflicher IT-Berater mit einem durchschnittlichen Gewinn von 80.000 Euro und einem Hauskredit von 300.000 Euro sollte eine Versicherungssumme von mindestens 550.000 bis 600.000 Euro wählen. Dies deckt den Kredit und bietet der Familie für etwa drei bis vier Jahre den gewohnten Lebensstandard, um sich neu zu orientieren.

Flexibilität durch Nachversicherungsgarantie und Dynamik

Starre Verträge sind der natürliche Feind der Selbstständigkeit. Was heute passt, kann in zwei Jahren durch Familienzuwachs oder eine Geschäftsexpansion veraltet sein. Zwei Werkzeuge helfen dabei: die Nachversicherungsgarantie und die Beitragsdynamik. Achten Sie darauf, dass diese Optionen in Ihrem Tarif enthalten sind, um flexibel zu bleiben.

Die Nachversicherungsgarantie erlaubt es Ihnen, die Versicherungssumme bei bestimmten Ereignissen zu erhöhen, ohne dass Sie erneut Gesundheitsfragen beantworten müssen. Das ist entscheidend, denn im Laufe der Jahre können neue Diagnosen oder ein höherer BMI dazu führen, dass eine Erhöhung sonst abgelehnt oder sehr teuer würde. Typische Ereignisse für eine solche Anpassung sind:

  1. Die Geburt oder Adoption eines Kindes.

  2. Die Aufnahme eines Darlehens für den Immobilienerwerb (mindestens 50.000 Euro).

  3. Der Sprung in die volle Selbstständigkeit oder eine signifikante Umsatzsteigerung.

  4. Die Heirat oder Verpartnerung.

Die Beitragsdynamik hingegen sorgt für einen automatischen Inflationsausgleich. Dabei steigen Beitrag und Leistung jährlich um einen festen Prozentsatz, meist zwischen drei und fünf Prozent. Sie können dieser Erhöhung jederzeit widersprechen, wenn das Geschäftsjahr einmal schlechter lief. So wächst die Absicherung mit Ihrem Erfolg mit.

Der Steuer-Trick: Erbschaftsteuer vermeiden durch Über-Kreuz-Versicherung

Bei hohen Summen wird oft die Erbschaftsteuer übersehen. Wenn Sie als Versicherungsnehmer sich selbst versichern und Ihre Partnerin oder Ihren Partner als Begünstigten einsetzen, fällt die Auszahlungssumme in Ihren Nachlass. Bei unverheirateten Paaren liegt der Freibetrag lediglich bei 20.000 Euro. Alles darüber hinaus wird mit bis zu 30 Prozent besteuert. Selbst bei Eheleuten kann es bei sehr hohen Summen und vorhandenem Immobilienvermögen eng werden.

Die Lösung ist die sogenannte Über-Kreuz-Versicherung. Hierbei ist nicht die versicherte Person gleichzeitig der Vertragsinhaber. Ein Beispiel: Sie sind die versicherte Person, aber Ihre Partnerin ist die Versicherungsnehmerin und zahlt die Beiträge (idealerweise von ihrem eigenen Konto). Im Leistungsfall erhält sie die Summe nicht als Erbe, sondern als Leistung aus ihrem eigenen Vertrag. Dadurch bleibt die Auszahlung komplett steuerfrei.

Für Selbstständige ist dieses Modell besonders attraktiv, da es auch den Zugriff von Gläubigern erschweren kann. Da der Vertrag rechtlich der Partnerin gehört, fällt er im Falle einer geschäftlichen Insolvenz des Versicherten nicht ohne Weiteres in die Insolvenzmasse. Es ist eine saubere, rechtlich anerkannte Methode, um sicherzustellen, dass jeder Euro der Versicherungssumme auch wirklich dort ankommt, wo er gebraucht wird: bei Ihrer Familie.

Gesundheitsprüfung und digitale Prozesse: So einfach geht es heute

Wer den Aufwand scheut, fürchtet meist langwierige Arztbesuche und komplizierte Fragebögen. Das hat sich geändert. Digitale Prozesse ermöglichen eine Gesundheitsprüfung innerhalb weniger Minuten. Bei Versicherungssummen bis zu 500.000 Euro reichen meist einfache Fragen zu Vorerkrankungen der letzten fünf bis zehn Jahre aus.

Verschweigen Sie keine vermeintlichen Kleinigkeiten. Geben Sie Heuschnupfen, Rückenbeschwerden oder gelegentliche Psychotherapie-Sitzungen immer wahrheitsgemäß an. Moderne Prüf-Algorithmen führen heute seltener zur Ablehnung, sondern eher zu kleinen Risikozuschlägen. Werden Angaben jedoch unterschlagen, riskiert man den kompletten Versicherungsschutz wegen Verletzung der vorvertraglichen Anzeigepflicht.

Für Raucher ist die Einstufung besonders relevant. Die Beiträge für Raucher können doppelt so hoch sein wie für Nichtraucher. Als Nichtraucher gilt in der Regel, wer seit mindestens zwölf Monaten keine Tabakwaren oder E-Zigaretten konsumiert hat. Sollten Sie nach Vertragsabschluss mit dem Rauchen aufhören, können Sie dies nach einem Jahr melden und Ihren Tarif auf den günstigeren Nichtraucher-Status umstellen lassen. Das spart über die Laufzeit oft mehrere tausend Euro.

Keyman-Absicherung: Wenn das Business ohne Sie nicht läuft

Oft hängen auch Ihr Unternehmen oder Ihre Partner von Ihrer Arbeitskraft ab. Wenn Sie eine Agentur leiten oder in einer Partnerschaft arbeiten, kann Ihr Tod das Ende des Betriebs bedeuten. Eine spezielle Form der Risikolebensversicherung ist die Keyman-Versicherung (Schlüsselkraft-Absicherung).

Hierbei ist das Unternehmen der Versicherungsnehmer und der Begünstigte. Verstirbt der Inhaber oder ein wichtiger Know-how-Träger, erhält die Firma die Versicherungssumme. Dieses Kapital dient dazu, den Wertverlust des Unternehmens auszugleichen, einen Nachfolger zu finden und einzuarbeiten oder laufende Kredite abzulösen, für die die Bank nun Sicherheiten fordert. Für Selbstständige mit Angestellten ist dies ein Akt der Verantwortung gegenüber dem Team.

Die Beiträge für eine solche geschäftlich motivierte Versicherung können unter bestimmten Voraussetzungen als Betriebsausgaben abgesetzt werden. Dies mindert die Steuerlast des Unternehmens. Im Gegenzug muss die Auszahlungssumme im Leistungsfall jedoch als Betriebseinnahme versteuert werden. Stimmen Sie sich mit Ihrem Steuerberater ab, damit nach Steuern genug Liquidität für den Betrieb bleibt.

FAQ

Ist eine Risikolebensversicherung für Selbstständige Pflicht?

Nein, es gibt keine gesetzliche Pflicht. Sie ist eine essenzielle freiwillige Vorsorge, da Selbstständige im Gegensatz zu Angestellten keine automatische Absicherung über die gesetzliche Rentenversicherung haben.

Was ist der Unterschied zur Kapitallebensversicherung?

Die Risikolebensversicherung zahlt nur im Todesfall und dient dem reinen Schutz. Die Kapitallebensversicherung kombiniert dies mit einem Sparanteil für die Altersvorsorge. Für die reine Familienabsicherung ist die Risikolebensversicherung deutlich günstiger und flexibler.

Muss ich für den Abschluss zum Arzt?

In den meisten Fällen nicht. Bei Summen bis ca. 500.000 Euro reichen wahrheitsgemäße Antworten auf die Gesundheitsfragen im Online-Antrag aus. Nur bei sehr hohen Summen oder Vorerkrankungen kann ein ärztliches Zeugnis angefordert werden.

Gilt der Schutz auch bei riskanten Hobbys?

Hobbys wie Fallschirmspringen oder Tauchen müssen beim Antrag angegeben werden. Sie führen oft zu einem Beitragszuschlag, sind dann aber voll mitversichert. Werden sie verschwiegen, kann der Versicherer die Leistung verweigern.

Kann ich die Versicherungssumme später senken?

Ja, eine Reduzierung der Versicherungssumme ist in der Regel jederzeit möglich. Dies ist sinnvoll, wenn beispielsweise ein großer Kredit abbezahlt wurde oder die Kinder finanziell unabhängig sind.

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